Worauf ist bei der Ringwahl zu achten?: Material und Design.

Worauf ist bei der Ringwahl zu achten?: Material und Design. - hochzeits-location.info

Tipps aus der Schmuckmanufaktur. Wir haben Juwelier, Goldschmiedemeister und Edelsteingutachter Andreas Ableitner gefragt, worauf man bei der Wahl der Trauringe achten muss, um sicherzugehen, dass sie ein Leben lang Freude bereiten.

hochzeits-location.info: Auf welche Qualitätskriterien sollte das Brautpaar achten?

Andreas Ableitner: Es beginnt wie bei einem Gericht mit der Wahl der richtigen Zutaten. Wir legieren immer „frisch“. Abgesehen vom ausdrücklichen KundInnenwunsch sollte kein Altgold Verwendung finden, da sich das negativ auf die Eigenschaften der Legierung auswirken kann.

Die Legierungsqualität ist essentiell für die Eigenschaften der Ringe. Die Legierung sollte homogen sein, keine Lunker (Hohlräume) aufweisen, hart aber auch elastisch sein. Nach strengsten Umweltkriterien recyceltes Feingold (*Responsible Gold Guidance zertifiziert) ist fair zur Natur und sorgt für eine klare Ausgangslage für die Fertigung. Aufgrund der überdurchschnittlichen Beanspruchung bei Eheringen ist es wichtig, dass die Ringe eine solide Materialstärke aufweisen und gut verdichtet sind. Ein Materialverlust entsteht neben dem Abrieb durch das Tragen – die Türklinke ist der große Feind des Ringes – auch durch das Auffrischen der Ringe beim Goldschmied/bei der GoldschmiedIn. Deshalb ist es wichtig, dass die Materialstärke von Beginn an nicht zu dünn gewählt wird. Die Ringe sollten sich auch nach Jahren nicht verbiegen, wenn Sie etwas Schweres heben. Ringe ab einer Materialstärke von 1,80 mm können als solide gelten. Das persönliche Empfinden bezüglich der Materialstärke ist sehr unterschiedlich: 1,80 mm können bei manchen TrägerInnen bereits als maximal empfunden werden. Andere haben kein Problem mit 2,5 mm und mehr und schätzen die sich daraus ergebende solide Ausstrahlung ihrer Ringe. Wobei das Empfinden der Materialstärke im Zusammenspiel mit dem Profil, der Breite und Oberflächenbeschaffenheit zu betrachten ist. Ein Ring im ovalen Querschnitt/Profil mit 2,2 mm Materialstärke fühlt sich ganz anders an, als ein Ring mit rechteckigem Querschnitt.

Ringe mit zum Beispiel der messtechnischen Ringweite 54, können Ihnen ganz unterschiedlich passen! Dies hängt von der Breite und dem Querschnitt des Ringes ab. Ist der Ring innen flach oder bombiert gefertigt? All dies kann zu einem ganz unterschiedlichen Tragegefühl führen.

Deshalb lautet unsere Empfehlung, Ringe vor Ort beim Juwelier oder Goldschmied respektive Juwelierin oder Goldschmiedin auszuwählen und nicht online die endgültige Entscheidung zu treffen.

Neben dem Design ist das Material – also Gold oder Platin – eine wesentliche Frage in der Wahl der Eheringe. Welcher Qualitätsunterschiede muss sich das Brautpaar bewusst sein?

Neben der Wahl der richtigen Breite, Materialstärke und des Profils/Querschnitts spielt auch die Wahl des bevorzugten Edelmetalles eine große Rolle. Hier sollten Sie darauf bestehen, dass Ihnen ausschließlich Ringe aus echten Materialen vorgelegt werden. Nur diese vermitteln Ihnen das Gefühl für Ihre zukünftigen Ringe. Denn neben der Originalfarbe der Goldlegierung spielt auch das Gewicht eine Rolle. Unechte Materialien sind nicht in der Lage, Ihnen das echte Tragegefühl und -empfinden zu offenbaren. Zusätzlich dazu muss man wissen, dass sich 14-karätiges Gold anders anfühlt als 18-karätiges und nochmal ganz anders als 950/000 Platin. Womit wir beim nächsten Thema wären: der Materialfarbe.

Weiß-, Gelb- oder Roségold, Platin oder eine weiß oder schwarz rhodinierte Oberfläche? Matte oder glänzende Eheringe, mit Steinbesatz oder ohne Steinbesatz? Welche Möglichkeiten haben Brautpaare bei der Wahl ihrer Trauringe?

Das ist eine Frage des persönlichen Stilempfindens und der Vorliebe. Pures Feingold 999/000 wäre für die Ringe zu weich. Um die Eigenschaften des Goldes zu verbessern und unterschiedliche Farben zu erzielen, werden beispielsweise Silber, Kupfer oder Palladium beigemischt. Nickel wird nicht mehr verwendet, da es häufig Allergien auslöst.

Welche Goldfarbe man für die Eheringe nun also wählen soll? Meist ist hier eine persönliche Vorliebe durch Eindrücke und Erfahrungen eingeprägt und man wählt intuitiv eine Farbe aus. Wenn dies bei einem Paar in unterschiedlicher Weise der Fall ist, wäre dies gar kein Problem. Es ist selbstverständlich erlaubt, und wird auch immer wieder nachgefragt, dass die beiden Partner eine unterschiedliche Goldfarbe wählen. Die Ringe können ja ansonsten im Design sehr gut harmonieren. Bei Unschlüssigkeit, welche Goldfarbe für die Eheringe gewählt werden soll, geben hier manche Plattformen Tipps, wie man den eigenen Farbtyp feststellen kann, um dann die passende Goldfarbe zu bestimmen. Kühlere Hautfarbe (blaue Venen) für Platin und Weißgold oder warmer Hautton (grüne Venen) für Gelbgold. Roségold gilt als goldene Mitte und dezente Farbe. Nicht umsonst werden viele Luxusuhren renommierter Marken in dieser Goldfarbe gefertigt.

Wenn Sie die Farbe Weiß bevorzugen, sollten Sie wissen, dass Weißgoldringe abschließend meist oberflächlich rhodiniert (Rhodium ist ein Platinmetall) werden. Rhodium ist hart, dennoch reibt sich das Metall mit der Zeit an Türklinken ab. Das darunterliegende, etwas rot-gräulichere Weißgold kommt mit der Zeit zum Vorschein. Bei Ringen aus eigener Manufaktur bieten wir die Erneuerung des Rhodiums als kostenlosen Service an.

Palladium-haltiges nicht-rhodiniertes Weißgold ist gräulicher. Wenn Ihnen die Farbe gefällt, dann haben Sie den Vorteil, dass die Farbe beständig ist. Wenn Sie Ihre Ringe in Platin wählen, ist kein Rhodium notwendig und der Farbton ist fast so weiß wie der des Rhodiums!

* Die Abkürzung LBMA steht für London Bullion Market Association und bezeichnet die Organisation, die weltweite Standards für den Handel mit Gold und Silber setzt und kontrolliert. Neben vielen anderen Aufgaben führt die LBMA in London auch eine Good-Delivery-Liste, die transparent alle Veredler aufführt, die den Maßstäben gerecht werden, wodurch die Qualität und Herkunft der Edelmetalle gesichert nachgewiesen werden kann. Der Lieferant der Manufaktur Ableitner befindet sich auf der Good-Delivery-Liste und ist nach Responsible Gold Guidance zertifiziert.

Juwelier Andreas Ableitner im Interview mit hochzeits-location.info

Foto: Croce & Wir © Leonard Ableitner GmbH

Wissenswertes zum Interviewpartner: Andreas Ableitner ist Juwelier, Goldschmiedemeister und geprüfter Edelsteingutachter. Mit Leidenschaft für hochwertige Materialien, einmalige Designs und Begeisterung für die Wünsche seiner KundInnen führt er in zweiter Generation den Juwelierbetrieb und die Manufaktur Ableitner in Lieboch bei Graz. Das Familienunternehmen ist eine der wenigen echten Manufakturen in Österreich, in denen Schmuck in jeder Preisklasse und passend zu jedem Anlass vom Entwurf bis zum letzten Schliff vollständig in der eigenen Werkstatt gefertigt wird. Seit vielen Jahren zählt Juwelier Ableitner laut dem Schmuck Magazin zu den TOP 100 Juwelieren im deutschsprachigen Raum und bringt mit der hauseigenen Manufaktur laufend neue Schmuckstücke hervor, die sich in internationalen Wettbewerben schon vielfach durchgesetzt haben.
www.ableitner.com

Weiterführende Links:
Die LBMA in London
Mit der Farbtypanalyse die passende Goldfarbe zum eigenen Hauttyp bestimmen
Zum Nachlesen: Schmuckglossar

Coverfoto: Croce & Wir © Leonard Ableitner GmbH